Törnbericht
Von Mitte bis Ende Mai 2026 unternahmen wir mit einer Crew von vier Seglern einen zweiwöchigen One-Way-Törn von Breege auf der Insel Rügen nach Stockholm.


Die Reise führte uns über die Ostsee entlang der schwedischen Küste bis in die einzigartige Inselwelt der Stockholmer Schären. Neben vielen schönen Erlebnissen forderten uns auch Wind, Wetter und anspruchsvolle Navigation immer wieder heraus.
Gleich zu Beginn stand die lange Überfahrt über die Ostsee nach Ystad auf dem Programm. Viele Stunden auf See, wechselnde Wetterbedingungen und das Leben an Bord prägten diesen ersten Abschnitt der Reise. Nach der Ankunft in Schweden freuten wir uns darauf, ein neues Segelrevier zu erkunden.


Ein erster Höhepunkt war der Besuch von Kristianopel. Der kleine, historische Hafen mit seinen gut erhaltenen Festungsanlagen und der ruhigen Atmosphäre vermittelte sofort das besondere Flair der schwedischen Küste. Von dort ging es weiter nach Kalmar, wo wir direkt im Stadthafen lagen. Das beeindruckende Schloss Kalmar, das weithin sichtbar am Wasser liegt, gehörte zu den Sehenswürdigkeiten, die bei vielen Crewmitgliedern einen bleibenden Eindruck hinterließen.
Je weiter wir nach Norden segelten, desto deutlicher zeigte sich die besondere Landschaft der schwedischen Schären. Die Einfahrt nach Figeholm verlangte höchste Aufmerksamkeit. Zwischen zahlreichen Inseln, Felsen und Untiefen war präzises Navigieren erforderlich. Gleichzeitig stellte sich hier zum ersten Mal das typische Schärengefühl ein, das uns auf dem weiteren Törn begleiten sollte: geschützte Fahrwasser, unzählige kleine Inseln und eine Landschaft, die sich hinter jeder Kurve anders präsentierte.
Weitere schöne Stationen unserer Reise waren Västervik und zahlreiche kleinere Häfen entlang der Küste. Jeder Ort hatte seinen eigenen Charakter und bot neue Eindrücke. Besonders beeindruckend war schließlich die Insel Sandhamn, eine der äußersten Inseln der Stockholmer Schären. Dort konnten wir das traditionsreiche Clubhaus des Königlich Schwedischen Segelclubs KSSS bewundern und die besondere Atmosphäre dieses bekannten Segelzentrums erleben.
Während des gesamten Törns übernahmen die Crewmitglieder abwechselnd verschiedene Aufgaben an Bord. Dazu gehörten das Steuern des Schiffes, die Navigation, Segelmanöver, Hafenmanöver sowie die Bordwache. So konnte jeder seine Kenntnisse erweitern und praktische Erfahrungen sammeln. Gleichzeitig zeigte sich immer wieder, wie wichtig gute Zusammenarbeit und gegenseitige Unterstützung auf einem Segelschiff sind.
Zu den besonderen Erlebnissen gehörte auch unsere Nachtfahrt. Als die Sonne langsam hinter dem Horizont verschwand und nur noch die Lichter anderer Schiffe und die Sterne den Weg wiesen, entstand eine ganz eigene Atmosphäre an Bord. Die Ostsee wirkte nachts noch größer und stiller, und die Wache hatte etwas Besonderes. Diese Stunden auf See bleiben oft am längsten in Erinnerung.
Nicht immer zeigte sich das Wetter von seiner freundlichen Seite. Neben vielen sonnigen Tagen erlebten wir auch kräftigen Wind und Gewitter. Besonders eindrucksvoll waren Situationen, in denen dunkle Wolken aufzogen und Blitz und Donner über der Ostsee zu sehen waren. Solche Momente machten deutlich, wie eng man auf See mit den Kräften der Natur verbunden ist und wie wichtig eine gute Vorbereitung und eine eingespielte Crew sind.
Auch die Hafenmanöver stellten immer wieder neue Herausforderungen dar. Unterschiedliche Windverhältnisse, enge Liegeplätze und wechselnde Bedingungen verlangten Konzentration und gute Zusammenarbeit. Gerade diese Aufgaben machten den Reiz des Segelns aus und sorgten dafür, dass jeder Tag neue Erfahrungen mit sich brachte.
Als wir schließlich Stockholm erreichten, lagen zwei erlebnisreiche Wochen hinter uns. Wir hatten die lange Ostseeüberfahrt von Rügen nach Schweden gemeistert, historische Küstenorte besucht, die einzigartige Welt der Schären kennengelernt, eine eindrucksvolle Nachtfahrt erlebt sowie ruhige und stürmische Tage auf See erfahren. Vor allem aber hatten wir gemeinsam als Crew des SSC Kahl eine Reise unternommen, die uns noch lange in Erinnerung bleiben wird.
Haro Lausch

